Mathias Binswanger zum Crash-Zyklus: Die Nächste, Bitte!

© BILANZ 09/10 07.05.2010 

Seit den achtziger Jahren wechseln sich Boomphasen und ­Crashs fast ununterbrochen ab. Auch die nächste Blase wird ­sicher von Finanzinnovationen der Banken gefördert werden. 

«Nach dem Spiel ist vor dem Spiel», sagte der ehemalige Trainer der deutschen Fussballnationalelf Sepp Herberger. Analog dazu könnte man über die Börsen sagen: «Nach der Blase ist vor der Blase.» Während spekulative Blasen früher Jahrhundertereignisse waren, sind sie heute zu einer Normalität geworden: Auf Boomphasen folgt ein Crash, und sobald dieser einigermassen verdaut ist, geht es von vorne los. Die Fantasie der Anleger wird ­jedes Mal von neuen Ideen beflügelt, die sich im Nachhinein als «heisse Luft» entpuppen. 

Diese Phase der Wirtschaft begann in den frühen achtziger Jahren, als die Welle von Fusionen und Übernahmen (M&A) die USA und dann weitere Länder überrollte. Man glaubte, man könne durch den Aufkauf von Firmen immer grössere und effizientere Konzerne schaffen und so ein dauerhaft ­höheres Wachstum ermöglichen. Die Kraft dieser Idee hielt, kurz gestört vom Mini-Crash 1987, lange an. Die M&A-Blase ging dann fast nahtlos über in die Hightech-Blase der Neunziger, als man an ­eine dauerhaft höhere Wertschöpfung und ein höheres Wachstum dank dem Einsatz von Internet und Informa­tionstech­nologien glaubte. Mit dem Crash von 2000 verflüchtig­ten sich auch diese hochfliegenden Fantasien – um kurz danach von einer neuen Idee abgelöst zu werden.

Dieses Mal glaubte man an höhere Wertschöpfungen durch die Vergabe von Krediten (vor allem Hypotheken in den USA) an nicht kreditwürdige Kunden: Dazu ­müsse man die Risiken nur breit genug streuen, indem man die Kredite verbrieft und weiterverkauft. Diese Fantasie war etwas weniger nachhaltig. Schon 2008 kam es zum Crash.

Zu jedem Boom «erfanden» die Banken jeweils auch passend neue Finanzierungsmodelle bzw. Finanzpapiere, die einen enor­men Mittelzufluss an der Börse bewirkten. Das Prinzip ist immer dasselbe: Man verleitet die Anleger dazu, in hochriskante Wertpapiere zu investieren, indem man die Risiken mittels Finanzinnovationen verschleiert.

Was die nächste grosse Idee sein wird und welche Innovationen die ­Banken dann dazu präsentieren werden, wissen wir im Moment noch nicht. Doch die nächste Blase kommt bestimmt.